Als Absolventin oder Absolvent des Zweiten Staatsexamens stehen Sie vor der ersten entscheidenden Weichenstellung Ihrer ärztlichen Laufbahn: dem Finden einer AIP-Stelle (Arzt im Praktikum bzw. heute korrekt: Berufserlaubnis nach § 10 BÄO für approbierte Ärzte in der Anfangsphase). Dieser Leitfaden zeigt Ihnen 2026, worauf es bei der Stellensuche ankommt, welche Kliniken und Praxen besonders attraktive Einstiegspositionen bieten und wie Sie Ihre Bewerbung zielgerichtet aufstellen.
Was ist ein AIP – Definition und rechtlicher Rahmen 2026
AIP (Arzt im Praktikum) bezeichnet eine Berufseingangsphase für Ärztinnen und Ärzte unmittelbar nach dem Studium, die historisch durch die Bundesärzteordnung (BÄO) geregelt war. Seit der Abschaffung des klassischen AIP-Modells im Jahr 2004 und der Einführung der neuen Approbationsordnung (ÄApprO 2002) existiert der Begriff „AIP" in seiner ursprünglichen Form nicht mehr. Heute verwenden viele Kliniken und Bewerberinnen und Bewerber den Begriff dennoch umgangssprachlich für die erste Assistenzarztstelle nach Studienabschluss.
Rechtlich korrekt handelt es sich 2026 um eine Assistenzarztstelle, die gleichzeitig den Beginn der Facharztweiterbildung einleitet. Die Grundlage bildet die (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer sowie die jeweiligen Landesärztekammer-Weiterbildungsordnungen. Nach Erhalt der Approbation gemäß § 3 BÄO und der Eintragung in das Arztregister der zuständigen Landesärztekammer sind Sie vollumfänglich weiterbildungsberechtigt tätig.
Approbation vs. Berufserlaubnis: Was gilt für Ihren Berufseinstieg?
Wer das Zweite Staatsexamen (M2) erfolgreich abgelegt hat, erhält die Approbation als Ärztin oder Arzt. In Ausnahmefällen – etwa bei ausländischen Hochschulabschlüssen, die noch nicht vollständig anerkannt sind – kommt eine befristete Berufserlaubnis nach § 10 BÄO in Betracht. Diese ermöglicht eine zeitlich und räumlich begrenzte ärztliche Tätigkeit unter Aufsicht. Für den Regelfall gilt jedoch: Mit der Approbation in der Hand beginnt Ihre Suche nach der ersten vollwertigen Assistenzarztstelle – umgangssprachlich als „AIP-Stelle" bezeichnet. Weitere Details zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse finden Sie in unserem Artikel Weiterbildung Arzt Anerkennung Deutschland 2026.
AIP Arzt Stelle finden: Die besten Wege und Plattformen
Eine AIP-Stelle bzw. erste Assistenzarztstelle zu finden, ist 2026 trotz des allgemeinen Ärztemangels keine Selbstläufer-Aufgabe – die Wahl der richtigen Position entscheidet über die Qualität Ihrer Weiterbildung. Nutzen Sie einen multikanalalen Ansatz, um die passende Stelle zu identifizieren.
Spezialisierte Stellenportale und Direktbewerbung
Fachspezifische Jobportale wie Mediplatz bieten strukturierte Suchmöglichkeiten nach Fachrichtung, Versorgungsebene (Maximalversorger, Schwerpunktkrankenhaus, Grund- und Regelversorger) und Region. Gegenüber allgemeinen Stellenbörsen haben sie den Vorteil, dass Ausschreibungen bereits von der Klinik-HR verifiziert und fachlich eingeordnet sind. Ergänzend empfiehlt sich die Direktbewerbung bei Wunschabteilungen: Viele Chefarzt-Sekretariate und Klinikdirektoren nehmen Initiativbewerbungen entgegen, bevor eine Stelle offiziell ausgeschrieben wird.
Netzwerke und Fachgesellschaften
Kongresse der einschlägigen Fachgesellschaften (z. B. DGIM, DGCH, DGKJ) sowie das persönliche Netzwerk aus PJ-Tertial und Famulaturen sind oft unterschätzte Ressourcen. Viele erste Stellen werden über persönliche Empfehlungen besetzt. Pflegen Sie daher bereits während des Studiums Kontakte zu Oberärztinnen und Oberärzten, die Sie als Weiterbilder in Betracht ziehen. Einen strukturierten Überblick zu Karrierewegen vom PJ bis zur Assistenzarztphase bietet unser Artikel PJ, Assistenzarzt & Praxis 2026.

Bewerbung für eine AIP-Stelle: Checkliste und Tipps
Eine überzeugende Bewerbungsmappe ist der erste Schritt, um als AIP-Kandidatin oder -Kandidat aufzufallen. Kliniken erhalten pro ausgeschriebener Stelle teils Dutzende Bewerbungen – strukturierte Unterlagen und eine klare fachliche Positionierung machen den Unterschied.
Die vollständige Bewerbungsmappe für Ihre AIP-Stelle
- Anschreiben mit klarem Fachgebietsbezug: Formulieren Sie in zwei bis drei Absätzen, warum Sie sich für genau dieses Fachgebiet und diese Klinik entschieden haben. Bezug auf aktuelle Forschungsschwerpunkte der Abteilung zeigt echtes Interesse.
- Tabellarischer Lebenslauf (chronologisch): Staatsexamen, Approbationsdatum, PJ-Tertiale, Famulaturen, Promotionsstand und Publikationen (falls vorhanden) übersichtlich auflisten.
- Abschriften und Zeugnisse: Staatsexamenszeugnis, Approbationsurkunde (sobald vorhanden), PJ-Zeugnisse und ggf. Famulatur-Bescheinigungen beilegen.
- Empfehlungsschreiben: Ein Referenzschreiben eines PJ-Betreuers oder einer Professorin aus dem Klinischen Studienabschnitt erhöht Ihre Chancen erheblich. Fragen Sie frühzeitig an.
- Promotionsstatus transparent kommunizieren: Laufende oder abgeschlossene Dissertationen signalisieren wissenschaftliche Motivation – auch wenn sie keine Voraussetzung sind.
- Digitale Bewerbung optimieren: PDF-Gesamtdokument unter 5 MB, aussagekräftiger Dateiname (z. B. „Bewerbung_Dr_Musterarzt_Innere_Medizin.pdf"), korrekte E-Mail-Anrede an die zuständige Person.
Häufige Fehler bei der Bewerbung um eine erste Assistenzarztstelle
Zu den verbreitetsten Fehlern zählen generische Anschreiben ohne Fachgebietsbezug, fehlende oder unleserliche Zeugniskopien sowie das Verschweigen von Lücken im Lebenslauf. Klären Sie außerdem vor der Bewerbung, ob die ausschreibende Klinik eine Weiterbildungsermächtigung in Ihrem Wunschfach besitzt – dies ist für die spätere Facharztanerkennung zwingend erforderlich.
Gehalt und Vergütung als AIP 2026
Das Gehalt in der ersten Assistenzarztstelle (AIP-Phase) richtet sich 2026 in der Mehrzahl der Kliniken nach dem TV-Ärzte (Marburger Bund) oder dem TV-Ärzte/VKA, je nach Trägerschaft. Kommunale Krankenhäuser und Universitätsklinika weisen teils unterschiedliche Vergütungsstufen auf.
Gehaltsübersicht: Erste Assistenzarztstelle 2026 nach Tarifvertrag
| Trägerschaft / Tarifvertrag | Entgeltgruppe | Bruttogehalt p.M. (Ä1, Stufe 1) | Typische Zusatzleistungen |
|---|---|---|---|
| Universitätsklinikum (TV-Ärzte TdL) | Ä1 | ca. 5.200 – 5.600 € | Bereitschaftsdienste, VBL-Rente |
| Kommunales Krankenhaus (TV-Ärzte VKA) | Ä1 | ca. 5.100 – 5.500 € | Bereitschaftsdienste, Jahressonderzahlung |
| Privatklinik / Freigemeinnütziger Träger | Haustarif oder AT | ca. 4.800 – 6.200 € | Variabel, teils Boni, teils keine betriebl. AV |
| Lehrpraxis / Praxisnetz (ambulant) | Individuell | ca. 4.500 – 5.200 € | Teils Weiterbildungsförderung durch KV |
Hinweis: Die Werte sind Richtwerte auf Basis aktueller Tarifabschlüsse (Stand: 2026). Bereitschaftsdienste, Rufbereitschaft und Nachtdienste erhöhen das Bruttogehalt erheblich. Individuelle Haustarife können abweichen.
Gehaltsverhandlung: Was ist bei der ersten Stelle realistisch?
In tarifgebundenen Kliniken ist der Verhandlungsspielraum beim Grundgehalt begrenzt, da Entgeltgruppe und Stufe klar definiert sind. Verhandelbar sind hingegen die Anzahl der Bereitschaftsdienste, die Übernahme von Umzugskosten, ein Fortbildungsbudget sowie Regelungen zur Urlaubsplanung. In Privatkliniken und freigemeinnützigen Trägern mit Haustarifvertrag ist ein höheres Grundgehalt durchaus verhandelbar – insbesondere in Mangelfächern. Weiterführende Informationen zur Einkommensentwicklung finden Sie in unserem Artikel Niedergelassener Arzt: Einkommen & Verdienst 2026.

Von der AIP-Phase in die Facharztweiterbildung
Die erste Assistenzarztstelle markiert gleichzeitig den Startschuss für Ihre strukturierte Facharztweiterbildung. Wer eine AIP-Stelle bewusst als Sprungbrett nutzt, legt die Grundlage für eine zügige und qualitativ hochwertige Weiterbildung.
Weiterbildungsermächtigung prüfen – der entscheidende Faktor
Bevor Sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben, sollten Sie prüfen, ob und in welchem Umfang die Klinik oder der Weiterbilder eine Weiterbildungsermächtigung der zuständigen Landesärztekammer besitzt. Diese wird für eine bestimmte Zeitdauer (z. B. 24 oder 36 Monate) erteilt und gibt an, wie viele Monate der Pflichtweiterbildung an dieser Stelle anerkannt werden. Eine Stelle ohne entsprechende Ermächtigung kann Ihre Weiterbildungszeit erheblich verlängern. Prüfen Sie die Weiterbildungsbefugnisse direkt über das Online-Register Ihrer Landesärztekammer oder über die Bundesärztekammer.
Rotation und Strukturweiterbildung
Moderne Weiterbildungskonzepte setzen auf strukturierte Rotationsprogramme innerhalb eines Klinikverbundes. Für Fächer wie Innere Medizin, Chirurgie oder Psychiatrie kann dies bedeuten, dass Sie in den ersten Jahren zwischen verschiedenen Fachabteilungen rotieren, um die Pflicht-Rotationsabschnitte gemäß (Muster-)WBO zu absolvieren. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch gezielt nach dem konkreten Rotationsplan und den definierten Weiterbildungszielen je Abschnitt.
Top-Regionen für AIP-Stellen in Deutschland
Die Nachfrage nach ersten Assistenzarztstellen ist deutschlandweit vorhanden, konzentriert sich jedoch auf Ballungszentren mit hoher Klinikdichte. Gleichzeitig bieten ländliche Regionen zunehmend attraktive Konditionen, um dem Ärztemangel zu begegnen.
Städtische Ballungszentren: Große Auswahl, hoher Wettbewerb
Metropolen wie Hamburg, Berlin, München, Köln, Stuttgart und Frankfurt am Main verfügen über eine hohe Dichte an Universitätsklinika, kommunalen Maximalversorgern und spezialisierten Fachkliniken. Das Angebot an Weiterbildungsstellen ist hier am breitesten, der Wettbewerb unter Bewerberinnen und Bewerbern jedoch ebenfalls am intensivsten. Vorteil: Oft gibt es strukturierte Rotationsprogramme, internationale Kongresse in Reichweite und ein breites wissenschaftliches Umfeld.
NRW und strukturstarke Flächenländer
Nordrhein-Westfalen zählt mit Städten wie Essen, Köln und Düsseldorf sowie einer Vielzahl mittelgroßer Krankenhäuser zu den stellenstärksten Bundesländern. Die Kombination aus Universitätsklinika (Charité-affine Netzwerke, UK Köln, UK Essen) und kommunalen Häusern bietet ein breites Spektrum für die erste Assistenzarztstelle. Einen umfassenden Überblick über Stellenangebote in NRW gibt unser Artikel Krankenhaus Stellenangebote NRW 2026.
Ländliche Regionen: Förderung und Anreize
In unterversorgten Regionen bieten Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und einzelne Bundesländer finanzielle Anreize für den ärztlichen Nachwuchs: Stipendien während der Weiterbildung im ambulanten Bereich, Niederlassungsprämien und zinslose Darlehen. Wer langfristig eine Niederlassung anstrebt, kann von der gezielten Weiterbildung in einem Mangelbezirk finanziell und strukturell profitieren.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „AIP" im medizinischen Kontext 2026?
„AIP" steht für „Arzt im Praktikum" und bezeichnete eine Berufseingangsphase, die in Deutschland bis 2004 existierte. Heute wird der Begriff umgangssprachlich für die erste Assistenzarztstelle nach Studienabschluss und Approbation verwendet. Rechtlich handelt es sich dabei um eine vollwertige Assistenzarzttätigkeit mit Beginn der Facharztweiterbildung gemäß (Muster-)WBO der Bundesärztekammer.
Wie finde ich eine AIP-Stelle in einer Wunschklinik?
Der effektivste Weg ist die Kombination aus fachspezifischen Stellenportalen (z. B. Mediplatz), Direktbewerbung bei der Chefarzt-Sekretariate sowie die Nutzung persönlicher Netzwerke aus PJ-Tertial und Famulaturen. Zusätzlich empfehlen sich Kongresse der einschlägigen Fachgesellschaften als Networking-Möglichkeit.
Welches Gehalt kann ich in meiner ersten Assistenzarztstelle erwarten?
In tarifgebundenen Kliniken (TV-Ärzte TdL bzw. VKA) liegt das Grundgehalt in Entgeltgruppe Ä1/Stufe 1 im Jahr 2026 bei ca. 5.100 bis 5.600 € brutto monatlich, zuzüglich Bereitschaftsdienstvergütungen. In Privatkliniken oder mit Haustarif kann die Spanne nach oben und unten abweichen.
Muss ich bei der Stellensuche auf eine Weiterbildungsermächtigung achten?
Ja, unbedingt. Nur Weiterbildungszeiten bei einem ermächtigten Weiterbilder werden von der Landesärztekammer für die Facharztanerkennung angerechnet. Prüfen Sie die Weiterbildungsbefugnis über das Register Ihrer zuständigen Landesärztekammer, bevor Sie einen Vertrag unterzeichnen.
Ist eine Bewerbung als AIP auch in einer Praxis oder einem MVZ möglich?
Ja. Für bestimmte Fachgebiete (z. B. Allgemeinmedizin, Psychiatrie, Augenheilkunde) ist ein ambulanter Weiterbildungsabschnitt sogar verpflichtend vorgesehen. MVZ und Lehrpraxen mit Weiterbildungsermächtigung sind daher legitime und zunehmend attraktive Optionen für die erste Stelle. Kassenärztliche Vereinigungen fördern die ambulante Weiterbildung in vielen Bundesländern finanziell.
Quellen und Stand
Die in diesem Artikel genannten rechtlichen Grundlagen, Gehaltsangaben und Weiterbildungsregelungen basieren auf folgenden Primärquellen (Stand: 2026):
- Bundesärztekammer – (Muster-)Weiterbildungsordnung: Regelungen zur Facharztweiterbildung, Weiterbildungsermächtigungen und anrechenbare Zeiten.
- Bundesärzteordnung (BÄO) – Gesetze im Internet: Rechtliche Grundlagen zur Approbation (§ 3 BÄO) und Berufserlaubnis (§ 10 BÄO).
- Marburger Bund – Tarifpolitik: Aktuelle TV-Ärzte-Entgelttabellen für Universitätsklinika (TdL) und kommunale Krankenhäuser (VKA).
- Bundesärztekammer – Ärztestatistik 2025/2026: Daten zur Ärztedichte, Versorgungssituation und Weiterbildungsstruktur in Deutschland.
Alle Gehaltsangaben sind Orientierungswerte. Individuelle Vergütungsvereinbarungen, Bereitschaftsdienstmodelle und Haustarife können abweichen. Dieser Artikel stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
Fazit: AIP Arzt Stelle finden – strategisch vorgehen lohnt sich
Das Finden einer AIP-Stelle im Jahr 2026 erfordert einen strukturierten Ansatz: die richtige Plattformwahl, eine präzise Bewerbungsmappe, die Prüfung der Weiterbildungsermächtigung und ein aktives Netzwerk aus dem Studium. Die erste Assistenzarztstelle legt das Fundament für Ihre gesamte Facharztweiterbildung – wählen Sie daher bewusst und lassen Sie sich nicht allein vom Gehalt leiten. Entdecken Sie aktuelle Stellen im Gesundheitswesen auf Mediplatz — Entdecken Sie aktuelle Stellen im Gesundheitswesen auf Mediplatz.



