
Auf einen Blick
- Standardpfad: 5 Jahre Weiterbildung nach Approbation, plus 1-2 Jahre Common Trunk für chirurgische Fächer und Innere.
- Wahl der Fachrichtung nach 1-2 Jahren Klinik-Erfahrung. Häufige Fächer: Innere Medizin, Anästhesie, Allgemeinmedizin, Chirurgie, Gynäkologie.
- Prüfungsablauf: Anmeldung bei Ärztekammer, schriftliche und mündliche Prüfung. Bestehensquote: ca. 95%.
Ablauf der Facharztausbildung
Die Weiterbildungsdauer ist von den Landesärztekammern und der Bundesärztekammer geregelt. Aktuelle Musterweiterbildungsordnung 2018 (mit Anpassungen):
- Innere Medizin (Allgemeinarzt): 5 Jahre
- Innere Medizin Subspezialisierung (Kardio, Gastro, Pneumo, Onko): 6 Jahre Allgemein-Innere + 3 Jahre Subspezialisierung
- Chirurgie (Allgemein-, Viszeral-, Unfall-): 6 Jahre (inkl. Common Trunk)
- Anästhesiologie: 5 Jahre
- Allgemeinmedizin / Hausarzt: 5 Jahre (3 Jahre stationär + 2 Jahre ambulant)
- Gynäkologie und Geburtshilfe: 5 Jahre
- Radiologie: 5 Jahre
- Pädiatrie: 5 Jahre
- Psychiatrie und Psychotherapie: 5 Jahre
- Herzchirurgie: 6 Jahre Allgemeinchirurgie + 4 Jahre Herzchirurgie
Innerhalb der Weiterbildungszeit sind Rotationen durch verschiedene Abteilungen üblich (z.B. 6 Monate Notaufnahme, 6 Monate Anästhesie für angehende Internisten).
Wahl der Fachrichtung
Die Wahl der Fachrichtung sollte nach 1-2 Jahren Berufserfahrung getroffen werden — viele Ärzte starten in einer Allgemein-Abteilung (Innere oder Chirurgie) und entscheiden sich erst dann.
Entscheidungskriterien:
- Persönliches Interesse: was begeistert dich nach 1 Jahr klinischer Erfahrung?
- Arbeitszeit-Profil: Anästhesie, Innere → viele Bereitschaftsdienste. Radiologie, Augenheilkunde → planbarer.
- Finanzielle Perspektive: Kardiologie, Plastik, Radiologie → Spitzenverdiener. Pädiatrie, Allgemeinmedizin → mittlere Vergütung, aber hohe Niederlassungschancen.
- Bewerbermangel: Allgemeinmedizin, Anästhesie, Pathologie → leichter Stellen zu bekommen.
- Akademische Ambitionen: Innere, Chirurgie, Pädiatrie → starker Habilitations-Pfad. Pathologie, Radiologie → eher Klinik-Karriere.
Wechsel zwischen Häusern
Die Facharztausbildung kann an mehreren Häusern absolviert werden — sogar empfehlenswert: breiteres Spektrum, neue Netzwerke, oft Stufen-Sprung bei Wechsel.
Wichtige Regeln:
- Weiterbildungsbefugnis des neuen Hauses prüfen (Bundesärztekammer-Datenbank)
- Zeit-Anrechnung bei der Landesärztekammer vorab klären
- Tätigkeitsbescheinigung vom alten Haus anfordern (mit präzisen Inhaltsangaben)
- Übergangs-Lücke vermeiden — Weiterbildungszeit darf nicht unterbrochen werden (sonst Verlängerung)
Mission Personal vermittelt regelmäßig Wechsler in der Facharztausbildung — durchschnittlich +1 Stufe + Funktionszulage bei externem Wechsel.
Die Facharztprüfung
Am Ende der Weiterbildung: Facharztprüfung bei der Landesärztekammer.
- Anmeldung: ca. 6 Monate vor geplantem Prüfungstermin
- Unterlagen: Logbuch (vollständig, vom Weiterbildungsbefugten gegengezeichnet), Tätigkeitsnachweise, Operationskataloge (chirurgische Fächer)
- Prüfungsablauf: typischerweise mündliche Prüfung 30-60 Minuten vor Prüfungskommission (3 Fachärzte). Einige Bundesländer auch mit schriftlichem Teil.
- Bestehensquote: ca. 95% bei erstmaligem Antreten
- Bei Nichtbestehen: einmalige Wiederholung möglich nach 6 Monaten
Nach Bestehen: Eintrag in die Facharzt-Liste der Landesärztekammer + Eingruppierung in Tarif Ä2 ab nächstem Monatsersten.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Facharztausbildung?
Standardpfade 5 Jahre (Innere, Anästhesie, Radiologie, Allgemeinmedizin, Pädiatrie, Gynäkologie, Psychiatrie). Chirurgische Fächer 6 Jahre. Subspezialisierungen (z.B. Kardio nach Innere) weitere 3-4 Jahre.
Wann sollte ich mein Fach wählen?
Nach 1-2 Jahren Klinik-Erfahrung in einer Allgemein-Abteilung. Vorher: praktische Eindrücke sammeln. Endgültige Wahl spätestens bis Ende des 2. Berufsjahres.
Welches Fach ist am beliebtesten?
Innere Medizin (höchste Bewerber-Anzahl), Anästhesie, Chirurgie, Allgemeinmedizin. Bewerbermangel in Pathologie, Geriatrie, Psychiatrie — wer dort einsteigt, hat schnellere Karrierechancen.
Kann ich die Klinik während der Facharztausbildung wechseln?
Ja, mehrfach möglich. Empfehlenswert sogar — breiteres Profil, oft Stufen-Sprung. Wichtig: Weiterbildungsbefugnis des neuen Hauses und Zeit-Anrechnung bei der Ärztekammer prüfen.
Was passiert, wenn ich die Facharztprüfung nicht bestehe?
Einmalige Wiederholung möglich nach 6 Monaten. Bestehensquote bei erstmaligem Antreten: ca. 95%. Bei zweimaligem Nichtbestehen ist die Facharztanerkennung in diesem Fach in dem Bundesland nicht mehr möglich (Wechsel in anderes Bundesland prinzipiell möglich).
Welche Vergütung gilt während der Facharztausbildung?
TV-Ärzte VKA Ä1 (Assistenzarzt): 5.622 € (Stufe 1) bis 7.228 € (Stufe 6). Stufenaufstieg automatisch nach 1, 4, 6, 7, 8 Jahren. Plus Bereitschaftsdienst-Boni 1.500 € – 3.500 €/Monat.


